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Nov 17

Von Asien nach Europa – per Marathon

Bereits im letzten Jahr hatten wir mit der Idee gespielt, die Laufsaison in der Türkei zu beenden. 2013 konnten wir uns den Wunsch nun erfüllen. Der Istanbul Marathon ist der einzige Marathonlauf der Welt, der auf zwei Kontinenten stattfindet. Los geht es auf der asiatischen Seite, nur 300 Meter von der faszinierenden Bosporus-Brücke entfernt.

In diesem Jahr traten ca. 3000 Marathonläufer und 5000 15-km-Läufer zum Start auf der 8-spurigen Fahrbahn an – nebeneinander, aber von der Mittelleitplanke getrennt. Einen Kilometer weiter zurück wurden der 10-km-Lauf und der „Fun-Run“ über 8 Kilometer mit vielen Tausend weiteren Läufern gestartet. Im Vorfeld des Marathons war berichtet worden, dass auf der Brücke ein Tempolimit gelten sollte, d.h. Geh-Tempo! Von offizieller Seite war befürchtet wurde, dass die Brücke sich aufschwingen und im schlimmsten Fall sogar einstürzen könnte. Glücklicherweise war das Tempolimit zumindest bei den Marathon- und 15k-Läufern dann doch kein Thema und die Brücke hat augenscheinlich auch keinen Schaden genommen.

Pünktlich um 9:00 fiel der Startschuss, bei besten Bedingungen: Trocken, sonnig und um 12°C. Zuvor waren wir mit Bussen vom Zielbereich – direkt bei der Blauen Moschee im Stadtteil Sultanahmet – zum Start auf die asiatische Seite chauffiert worden. Anfangs stockte es aufgrund der Menschenmassen noch etwas, bereits auf der Brücke konnte ich aber – nach einigen Haken und zwei mal die Mittelleitplanke überquerend – das angestrebte Tempo von unter 5 min/km angehen. Die Strecke führte zuerst mit spektakulärer Sicht über die Bosporus-Brücke, dann durch die beiden Stadtteile Dolmabahce (Sultanspalast) und Karakoy (viele Jugendstilvillen) über die Galata-Brücke. Dann folgt eine Schleife entlang des Goldenen Horns. Hier ist auch das Ziel für die 15er und Anne lief nach exakt 1:32:00 glücklich und bei bester Laune über die Linie. Der Marathon geht weiter durch verschiedene Viertel des Stadtteils Fatih (450.000 Einwohner und jede Menge Sehenswürdigkeiten) bis wir bei km 20 auf die Uferstraße am Marmarameer treffen. Von hier geht es 8 km mit herrlichem Meerblick am Stadion vorbei Richtung Flughafen – Wendepunkt bei km 28 – und zurück in Richtung der historischen Altstadt.

Auf diesem Abschnitt erwischte ich einen perfekten „Lift“: Zwei Dänen vor mir liefen exakt mein Tempo und ich konnte im Windschatten relativ entspannt hinterher „rollen“. Inzwischen zeigte das Thermometer 17°C und es wehte eine leichte Brise. Bei Kilometer 35 verabschiedete sich der Jüngere der beiden Dänen – und zog das Tempo deutlich an. Und Tschüss! Der ältere der beiden – etwa meine Altersklasse – wollte dagegen nachlassen und nun gab ich den Zugläufer. Einige Kilometer hielt er noch mit, dann musste er abreißen lassen. Ich versuchte, mich nach vorne zu orientieren. Drei, vier Läufer kann ich noch überholen und noch bin ich recht zufrieden mit meinem Zustand, kann das Tempo halten, laufe aber am Limit. Der Blick auf die Uhr zeigt, die angestrebten 3:29:xx sollten zu packen sein. Aber die letzten Kilometer führen wellig durch den Gülhane-Park zum Ziel am Hippodrom im 50 Meter höher gelegenen Stadtteil Sultanahmet. Die Beine sind müde. Die Zuschauer am Straßenrand puschen, dennoch zieht sich der letzte Kilometer. 3:30:24 zeigte die Uhr schließlich. Mein eigenes GPS hat 42,7 Kilometer und fast 400 Höhenmeter auf dem Zähler. Ich bin glücklich und zufrieden.

Anne war inzwischen ebenfalls im Zielbereich eingetroffen und erwartete mich bereits. Wir zogen uns um und genossen die Stimmung am Ziel einer tollen Veranstaltung in einer faszinierenden Stadt.

Text und Bilder: Wolfgang Plößl