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Jul 11

Salomon 4 Trails – Etappe 2

EHRWALD – IMST

Streckendaten:Höhenprofil Etappe 2

Distanz: 45.30 km

Aufstieg: 2723 Hm

Abstieg: 2940 Hm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch diese Nacht war alles andere als erholsam: Nach so einem schweren Lauf ist man zwar müde, aber der Körper läuft immer noch auf Hochtouren und so fiel es mir schwer Schlaf zu finden. Erst weit nach Mitternacht bin ich eingeschlafen und dementsprechend hart war es, als um 5:00 Uhr schon wieder der Wecker geklingelt hat. Und dann noch die schmerzenden Beine und die Gedanken an die 45.3 km mit knapp 3000 Höhenmetern sowohl bergauf und bergab… Auf was habe ich mich da bloss eingelassen? Meine Stimmung wurde nach dem Frühstück besser und als ich durch den Nebel zum Start getrottet bin, kam neben der Nervosität auch wieder Vorfreude auf die bevorstehende Etappe. Dass ich nicht der einzige war, der schwere Beine und ziemlichen Respekt vor der wohl härtesten Etappe des 4 Trails hatte, merkte ich daran, dass es das Teilnehmerfeld relativ gemächlich angehen liess. Einzige Ausnahme war der Spanier Tòfol Castañer Bernat, der in den ersten Anstieg gerannt ist, als ob heute ein kurzer Schwarzwald-Berglauf auf dem Programm stünde. Dass der Spanier in einer anderen Liga lief, war auch meinen direkten Konkurrenten Andrew Fallas und Max Frei klar und so bildeten wir eine dreiköpfige Verfolgergruppe. Nach der Ehrwalder Alm folgte ein etwas flacherer Streckenabschnitt, den ich nutzen musste um kurz in die Büsche zu verschwinden – jetzt hatte ich die Gewissheit, dass das gestrige Abendessen nicht ideal war. Aber zum Glück hat sich mein Magen wieder beruhigt und ich konnte ungehindert den Aufstieg zur Grünsteinscharte in Angriff nehmen.

Der extreme Aufstieg zur Grünsteinscharrte

Der extreme Aufstieg zur Grünsteinscharte

Die Grünsteinscharte war definitiv eines der Highlights der 4 Trails: Nach dem herrlichen Drachensee wurde der Weg zunehmend anspruchsvoller und auf den letzten rund 200 Höhenmeteren ging es gefühlt fast senkrecht über ein riesiges Schneefeld zum höchsten Punkt der heutigen Etappe. Spätestens jetzt war mir klar, dass die Beschreibung des Veranstaltungscharakter auf der Homepage, keinerlei Übertreibungen enthält. Die Strecke ist extrem und ohne Trittsicherheit und alpiner Erfahrung sollte man lieber nicht teilnehmen.

Auch der Abstieg von der Grünsteinscharrte war sehr anspruchsvoll

Auch der Abstieg von der Grünsteinscharte war sehr anspruchsvoll

Denn auch der folgende Abstieg mit rund 1300 Tiefenmeteren war vor allem im oberen Bereich technisch sehr anspruchsvoll. Riesige Geröllfelder und immer wieder Schneefelder machten es unmöglich flüssig und kraftsparend zu laufen. Erst nach dem Lehmberghaus wurden die Wege breiter und die flacher.Hier konnten Max und ich zwar einen kleinen Vorsprung auf den Schotten herauslaufen, riskierten aber, dass wir unsere Reserven verpulverten. Denn als wir durch Obersteig kamen, war ja erst Halbzeit, ein schwerer Anstieg und Abstieg sollten ja noch folgen.

Und so war nach der 2. Verpflegungsstelle eines der härtesten Phasen des gesamten Wettkampfes. Der abrupte Rhythmuswechsel vom Bergab- in den Bergaufmodus, die erneut hohen Temperaturen, der sehr steile Anstieg (>20% Steigung) und die Gedanken an die folgenden 22 Kilometer mit knapp 1500 Höhenmetern liessen die Beine gleich noch mehr schmerzen. Aber irgendwie ging es dann doch weiter und ich habe wieder zu meinem Rhythmus gefunden – allerdings bei etwas langsamerem Tempo.

Das Haiminger Kreuz

Das Haiminger Kreuz

Als die ersten 800 Höhenmeter geschafft waren und es auf herrlichen Pfaden zur Haiminger Alm ging, kam dann auch wieder die Freude am Laufen zurück. Das Panorama und der Ausblick auf den schier endlosen Grat hinauf zum 2. Gipfel dieses Tages (Haiminger Kreuz) waren einfach zu schön, als an die Strapazen zu denken. Dass ich auch wieder einen kleinen Vorsprung auf Max herauslaufen konnte, hat bei den letzten Rampen hinauf zum Haiminger Kreuz natürlich auch geholfen.

 

Im wahrsten Sinne des Wortes geschmerzt hat dann der abermals sehr steile, anspruchsvolle und lange Abstieg hinab nach Imst, dem heutigen Etappenziel. Und als ich nach über 5 Stunden wieder als 2. das Ziel erreicht hatte, war ich wirklich platt. Es waren nicht nur die Oberschenkel, die vom „Bergabbolzen“ schmerzten, sondern mein ganze Körper, der nach den Anstrengungen dieses extrem langen und anspruchsvollen Laufs vehement Ruhe verlangte. In dem Moment war es unvorstellbar an den kommenden 2 Tagen abermals den Schweinehund zu ignorieren und wieder durch die Berge zu laufen. Nach einer wunderbaren Massage, einem kleinen Mittagsschlaf und einer Schinkenpizza zum Abendessen kamen zumindest die Lebensgeister wieder zurück, die Schmerzen in den Beinen blieben natürlich. Als nach der Siegerehrung die Bilder des Tages gezeigt wurden, ist mir erst richtig bewusst geworden, was für eine traumhaft schöne Etappe das heute war und wie viel Glück wir mit dem Wetter haben. Im Vergleich zu den Vorjahren sind wir nämlich über beide Höhepunkte – Grünsteinscharte und Haiminger Kreuz – gelaufen. Mit all den Bildern im Kopf bin erschöpft ins Bett gefallen, wohl wissend, dass ich auch in dieser Nacht nicht sehr gut schlafen werden.

Für alle, die mehr über die Strecke wissen wollen:

Und natürlich noch ein paar Bilder von der Etappe: