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Sep 18

Laufbericht Arosa Trailrun

Absolutes Wetterglück hatte Jürgen bei seiner ersten Teilnahme am Arosa Trailrun. Auf der wunderschönen Strecke durch die Bergwelt um Arosa mussten 54 Kilometer mit rund 3300 Höhenmeter bewältigt werden. Auch wenn er aufgrund fehlender Trainings-Höhenmeter etwas Mühe hatte, konnte er sich trotzdem den Sieg in der AK 60 sichern. Wie es ihm ergangen ist, erzählt uns Jürgen in seinem Laufbericht:

„Eigentlich sollte der Irontrail T121 am ersten Augustwochenende mein Saisonhöhepunkt 2016 werden. Doch wenn der Kopf nicht will, macht es keinen Sinn 130 Kilometer durch die Alpen zu laufen. Weil ich auch noch eine ganze Nacht hätte durchlaufen müssen, entschied ich das Rennen nach 79 wunderschönen Kilometern in Tiefencastel abzubrechen, in den Zug zu steigen und zurück nach Davos fahren. Ich kam sogar rechtzeitig im Start- und Zielort an, um den Sieg-Einlauf von Stephan mitzuerleben. So wurde es doch noch ein toller Tag – trotz DNF (=Did Not Finish).
Natürlich herrschte jetzt in mir eine innere Unzufriedenheit, weshalb ich mich dazu entschloss beim Arosa Trailrun teilzunehmen. Weniger Kilometer und Höhenmeter, dafür viel mehr Genuss. So war der Plan.

Der Wettkampftag hätte besser nicht verlaufen können: Ein großes Frühstücksbuffet, eine humane Startzeit (7:30, man konnte herrlich ausschlafen) und dann noch Stephan als Begleiter. Was will man mehr um 53 Kilometer und 3300 Höhenmeter in Angriff zu nehmen?
Schon beim Start ging es ganz entspannt zur Sache, kein Gedränge, kein Scharren der Spitzenläufer, ein Schuss und man lief halt einfach los. Nach einer kurzen Runde durch Arosa, ging es gleich in den Anstieg in Richtung Weisshorn.

Gigantische Morgenstimmung kurz nach dem Start

Gigantische Morgenstimmung kurz nach dem Start

Die tolle Morgenstimmung ließen die ersten 800 Höhenmeter und die anfängliche Trägheit (fast 60 Lebensjahre lassen grüssen) rasch vergehen. Stephan machte mich auf eine junge Frau aufmerksam, die einen bemerkenswert gleichmäßigen Rhythmus anschlug. Das war ideal für mich, ich lief die nächsten Kilometer bis zur nächsten Verpflegungsstelle bei der Hörnlihütte hinter ihr her. Von hier aus ging es vorwiegend bergab bis nach Arosa. Es lief bei mir unheimlich gut, so dass ich mich von der jungen Frau deutlich distanzieren konnte. Aber das Sprichwort heißt, „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“. Beim Durchlauf des Zielgeländes warteten meine Frau und meine Tochter, um mich für die 2. Schleife mit 32 Kilometern zu motivieren. Stephan warnte mich schon, dass ein kleiner weniger schöner Abschnitt folgen wird. Man lief in eine Senke, vorbei an einer Kläranlage und einem kleinen Kieswerk, bevor es in den längsten Anstieg hinauf zur Maienfelder Furgga ging. Mit zunehmender Höhe spürte ich das fehlende Höhenmetertraining und die dünner werdende Luft. So hatte Stephan wenigstens Zeit genug die atemberaubende Landschaft zu genießen und ein paar Fotos zu schießen. Was nun folgte war ein absolutes Highlight! Die landschaftliche Schönheit der Strecke ließen die ganze Strapazen und einschleichende „Krämpfchen“ rasch vergessen. Plötzlich lief man durch ein Geröllhang, übersät von blauen und lila Blumen, dann wieder ein Schneefeld oder ein kleiner See. Wenn mein Rucksack größer gewesen wäre, ich glaube ich würde heute noch da oben rumlaufen.

Violette, blaue und gelbe Blumen auf rötlichem Gestein - was für eine Farbpracht auf 2500 m!

Violette, blaue und gelbe Blumen auf rötlichem Gestein – was für eine Farbpracht auf 2500 m!

So verging die Zeit zum Strelapass wie im Fluge. Von hier aus ging es dann kräftig bergab und ich wurde von der Realität wieder eingeholt. Meine Oberschenkel fingen an zu schmerzen. Ich hätte vielleicht doch ein paar Höhenmeter mehr trainieren sollen… Ich wusste nicht, ob ich langsam laufen oder schnell gehen oder einfach nur stehen bleiben soll. Aber irgendwie habe ich es geschafft das Berghaus „Heimeli“ im Tal zu erreichen, wo die nächste Verpflegungsstelle untergebracht war. Von hieraus folgte der nächste Anstieg auf die Chüpferalp. Schon komisch, plötzlich freute ich mich, dass es wieder bergauf geht. Oben angekommen, folgt man dem Schanfigger Höhenweg in Richtung Arosa. Ich dachte jetzt brauchst du es nur noch rollen lassen. Aber Stephan, der die Strecke vom letzten Jahr kannte, warnte mich: zum Schluss kommt noch ein giftiger Abstieg, der mit krampfenden Beinen nicht einfach werden würde. Und so war es dann auch. Während ich den Pfad heruntereirte, tauchte plötzlich die junge Frau wieder auf. Wir wechselten kurz ein paar freundliche Worte und dann war sie auch schon weg. Ganz ruhig und gleichmäßig wie zu Beginn. Nur konnte ich ihr jetzt beim besten Willen nicht mehr folgen. Ich weiß heute noch nicht, wie ich den letzten Abstieg überwunden habe, aber irgendwann erreichte ich doch noch das Ziel in Arosa, wo meine Familie ungeduldig auf mich wartete.
Trotz aller Strapazen, der Arosa Trailrun ist ein absoluter Traumlauf! Der Sieg in der AK60 war da nur noch das Tüpfelchen auf dem I!“